Writings

 

Textile Contaminations


Die aus Lissabon stammende Künstlerin Sonia Aniceto ist eine Grenzgängerin zwischen klassischer figurativer Malerei und Textilkunst. Freilich eine ungewöhnliche und gegen den Mainstream laufende Kunstausrichtung, die aber wie die Ausstellung zeigt, den Zeitgeist tragfähig widerspiegelt, also keineswegs altmodisch auftritt.  Eine Begabung der Künstlerin ist ihre Fähigkeit, mit illusionistischen Elementen zu agieren und über deutlich sichtbar gemachte Stoffdessins und Fäden von der Zweidimensionalität in die Dreidimensionalität - und damit von der Malerei in die Objektkunst hin zur Installation zu wechseln. In der Ausstellung gibt es zwei solcher sorgfältig arrangierter Dinge, die durch ihre optische, Raum schaffende Qualität faszinieren: Trophe (Geweihe) und Doudou (Kuscheltier).


Allerdings bleibt ihr Hauptthema die Collage aus kunstvoller Malerei, Stoffapplikation und maschinell aufgebrachten Fäden. In ihren Arbeiten ist eine fast greifbare Textur mit sensuellen und taktilen Qualitäten feststellbar, die durch die Verwendung historischer Stoffmuster und bunter Fäden gekonnt kombiniert werden. Eingearbeitet werden in die Collagen gewebte Vichy Stoffe und Ausschnitte französischer Stoffmuster des Toile de Jouy. Diese 1760 von dem deutschen Christoph Philipp Oberkampf (1738-1815) bei Paris erfundenen Dessins im Stil des Rokoko wurden ursprünglich mittels gravierter Kupferstichplatten auf Kattun gedruckt und u.a. für Vorhänge, Kissenbezüge und Tischtücher verwendet. Sonia Aniceto zerlegt diese Dessins in Einzelmotive, schneidet Figuren, Architekturen und florale Ornamente aus und appliziert sie auf ihre Malgründe.


Zunächst aber entstehen auf der Leinwand in penibler Sorgfalt skizzierte weite Landschaften mit abstrakten Orten, die in einem nächsten Schritt jedoch dekontextualisiert, d.h. in einen neuen Kontext gestellt werden, um eine Geschichte darin zu erzählen. Hinzugefügt werden die roten Umrissfiguren des Toile de Jouy, die an mythologische Gestalten erinnern, aber schon am Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr als solche im Bildkontext fungierten, also keine Mythologie mehr erzählten.

Wie etwa in dem Bild L’invite - der Gast, in dem ein Naturereignis dargestellt wird. Einem barock gekleideten Herrn mit Perücke, Kniehose und Justaucorps sind Flügel angeheftet. Appliziert ist die rote Umrissfigur vor einen grauweißen Vichy-Stoff mit Wasserflecken. Der illusionistische Zimmerboden besteht aus flauschig-weißem Faden, der mit der Nähmaschine auf die Leinwand genäht wurde. Die Schuhe des Engels – Engel tragen eigentlich nie Schuhe! - kleben am Teppich und hemmen ihn am Abheben. Die linke Bildhälfte öffnet sich wie ein Fensterausblick in eine weite Landschaft mit Bergkette am Horizont. Doch hat ein bedrohlicher Tornado eine schluchtartige Schneise in die Ebene gefräst und der Landschaft ein neues Aussehen verliehen. Die Gefahr ist bereits gebannt, denn der alles verschlingende Wolkenwirbel hat bereits den Horizont erreicht – ein Werk des Schutzengels?


Immer wieder begegnen uns in kleinen quadratischen Bildformaten beinahe fotorealistisch gemalte Kindergesichter, niedliche Mädchen mit langen goldblonden Haaren, in spielerischen Momenten. Drei Bilder der Serie Constellations I zeigen ein Mädchen mit selbst gestalteter Papiermaske, unter der es hervorlugt. Sein Gesichtsausdruck ist in sich gekehrt, es scheint sich nicht beobachtet zu fühlen und lebt noch in einer klar umrissenen Welt, die nur aus der Sicht des Betrachters sorglos wirkt.

Fäden spielen in Anicetos Arbeiten eine große Rolle, denn sie schneiden sich oft in das zuvor fein säuberlich gemalte Gemälde. Mit geradezu brachialer Gewalt rattert die Künstlerin mit der elektrischen Nähmaschine und einem knallrotem Faden spontan und intuitiv über die Komposition, nagt sich unübersehbar durch die Landschaft und macht auch vor den Kinderkörpern keinen Halt. Ihnen verpasst sie ein „genähtes“ Kleidungsstück oder rast über ihre Köpfe, der Faden verdichtet sich immer irgendwo, wird wie in einem Rausch zu einem Knäuel oder einem bloßen Fadengewirr, dass kaum mehr zu entwirren wäre.


In einigen Arbeiten finden sich Anspielen auf den Comic, der uns auch über den Bildtitel „Mickey“ offenbart wird. Die behandschuhten Hände, die Knoten löst, sind die der anthropomorphen Zeichentrickfigur und Ikone Mickey Mouse, die von Walt Disney 1928 erfunden wurde.

In einem anderen Bild werden diese behandschuhten Hände für einen schönheitschirugischen Eingriff verwendet. Eine junge Frau auf dem OP-Tisch, hat den Kopf für die Behandlung zur Seite gelegt, die Augen sind geschlossen und über ihr sind rote Fäden zu sehen. Es erinnert an ein Behandlungsfoto:

„Faden – Lifting vom Jungbrunnen Cottbus - ist eine fast schmerzfreie Methode, um Gesicht, Hals oder Körper zu straffen. Die Fäden werden mit einer dünnen Kanüle unter die Haut gebracht und verbleiben in der Haut. Ohne die Risiken eines operativen Eingriffs erhält Ihr Gesicht mehr Volumen und Elastizität…. auf vollkommen natürliche Weise. Um den eingebrachten Faden bildet die Haut ein neues Collagen-Stützgerüst.“

Zyklus „Monster“


Wie hinter einem karierten Vorhang wird eine Szene mit sieben Menschen sichtbar, die alle in die gleiche Richtung blicken. Diesem Bild liegt ein altes Foto aus den 1920/30 er Jahren zugrunde, aber ab der Taille ist es mit braunen Wollfäden bedeckt, die aus dem Bild nach unten weiter fließen und sich immer mehr verheddern. Eine der Frauen trägt auf dem Kopf ein baumartiges Geweih mit Blättern, was an den Daphne-Mythos erinnert:  Die junge Daphne entzieht sich ihrem Verfolger, dem Gott Apoll, durch Verwandlung in einen Lorbeerbaum.


Dedalé

Und hier ganz am Anfang steht der Mythos, der die Fäden zusammenlaufen lässt: der Ariadnefaden, der in einer schier ausweglosen Situation zur Rettung führte. Eine Anspielung finden wir in dem großformatigen Gemälde einer nach oben schwebenden Frau, die wie sich erst beim näheren Hinsehen zeigt, von einem Mann im schwarzen Anzug getragen wird, wie bei einem Pas de deux im Ballett. Der Bildtitel Dedalé gibt einen Hinweis auf den Ariadnemythos: Daedalus gilt als mythischer Erbauer des Labyrinths auf Kreta, das ein todbringendes Ungeheuer aus Mensch und Stier beherbergte. Der junge Held Theseus konnte den Minotaurus nur mit Hilfe Ariadnes töten, denn sie erklärte ihm das System des Labyrinths und überreichte ihm den rettenden Faden, mit dem er den Weg wieder hinaus fand. Die Verschlingung des aufsteigenden Paares vor dem aus wilden Fadenwirbeln angedeuteten Labyrinth könnte auf die Verbindung von Ariadne und Theseus deuten, die allerdings nur von kurzer Dauer war.


Trophe

Aus verschiedenen Stoffresten und gehäkelten Teilen prall gestopfte Geweihgebilde gleiten aus einem Geweihknäuel auf den Boden. Einige sind mit Fäden umwickelt wie bandagierte Finger. Der Geweihhaufen mutiert beim längeren Hinsehen zu einem Händegewirr. Der sich jedes Jahr neu bildende „Kopfschmuck“ des männlichen Hirschs, besteht aus Knochensubstanz, also nicht aus Horn wie bei Ziegen oder Ochsen. Geweihe dienen in erster Linie als Kampf- und Imponierwaffe in der Brunftzeit, manchmal auch als Schneeschaufel. Gesteuert über das männliche Geschlechtshormon Testosteron wachsen aus der Stirn des Hirsches, aus den beiden sogenannten Rosenstöcken zwei Knochenstangen, die mit fortschreitendem Alter immer mehr Verzweigungen bilden, sogenannte Enden. Wie in der Arbeit Trophe von Sonia Aniceto gleichen die Geweihgebilde einander nicht, weder in der Stoffkombination noch in der Anzahl der Enden. Erst die große Stückzahl der ca. 16 Geweihe verdeutlicht die große Zahl der Geweihträger, die sich der Betrachter vielleicht als erlegtes Wild nach der Jagdpartie vorzustellen hat. Hirsche mit stattlichen Geweihen waren seit je her ein weit verbreitetes Thema in der Malerei aber auch in textile Abbildungen der Gobelins mit Jagdmotiven, die Garten- und Jagdzimmer schmückten. Das Anbringen von Trophäen als Siegeszeichen in Schlössern war lange ein Privileg des Adels und sollte Macht und Überlegenheit suggerieren. In den bunten Stoffkombinationen verwandeln sich die Geweihe zu stofftierartigen Spielzeugen und Dekorationen, wären da nicht bei einigen die blutroten Enden.

Brides  - Bräute

Zwei Bräute oder eine Braut vor einem Spiegel versetzt? Kopfüber – oder  das Entkleiden nach der Hochzeitsfeier in einem Raum mit Vichy-Tapetenmuster. Die High heels sind mit rotem Faden appliziert.

Das Hochzeitskleid wird zu einem schweren Wust von Baumwollfäden, die der Schwerkraft folgend sich zu einem dicken dreidimensionalen Schwall verdichten und die Braut zwangsläufig nach unten ziehen. Es erinnert an den Medea-Mythos: Kreusa, die Rivalin Medeas, die am Hochzeitstag mit Jason von dessen Ex-Gemahlin Medea ein todbringendes Brautkleid erhielt, das sie nicht mehr ausziehen konnte und in dem sie jämmerlich endete. Es ist der jahrtausende alte Geschlechterkampf, der schon in den griechischen Tragödien vor 3000 Jahren allgemeingültig thematisiert wurde.

Diese Ausstellung präsentiert eine ungewöhnlich kreative Künstlerin, ihr neugieriges Suchen und Forschen, ihren spielerischen Umgang mit historischen Stoffmustern und Fäden. Zudem überrascht ihr Bruch mit dem traditionellen Umgang mit Textilien und Malerei. Dieser Bruch ist beinahe ein Sakrileg, vor allem wenn Aniceto mit einer elektrischen Nähmaschine intuitiv über ein sorgfältig gemaltes Ölgemälde und - schlimmer noch - einen fotorealistisches Kindergesicht hinwegrattert. Dazu gehört eine ziemliche Portion Mut aber auch handwerkliches Können und eine gewisse Risikobereitschaft, denn manchmal kann dabei auch was kaputt gehen.

Sie verzichtet wohltuend auf elektronische Medienvielfalt und kaum durchschaubare Konzeptualität. Sonia Aniceto ist eine sezierende Beobachterin, die mit großer Sorgfalt und handwerklichem Können der Kunst wieder greifbare Inhalte verleiht und sinnlich erfahrbare Materialität dem Betrachter vor Augen führt. Sie ist eine Künstlerin, die uns etwas zu sagen hat und in ihrem Medium der Malerei mit textilen Ergänzungen, Verknüpfungen und Verstrickungen. Sie versucht nicht ihre Figuren zu knebeln, zu fesseln oder unfrei zu machen, wie es viele Künstler vor ihr versucht haben, nicht selten mit sadistischem Blick. Aber ihre Kunst ist keineswegs beschönigend und harmlos, sondern geprägt von Lebenserfahrung und einem realistischen Blick auf die Menschen und ihre Schattenseiten.

Silke Köhn




Textile Contaminations


Sonia Aniceto, born in Lisbon, is known for her use of both classic painting and textile art, an unusual combination nowadays. Nevertheless, this exhibition shows how this style of art is suitable to reflect the spirit of the age and, therefore, is by no means old-fashioned.

One of her aptitudes is her ability to integrate illusionist elements and manage a shift from a bi-dimensional to a tri-dimensional space by using clearly visible cloth Dessins and threads, thus moving from painting to object art and going further to am installation. In this exhibition, there are two carefully arranged objects, which fascinate visitors through their optic, space-creating quality: Trophe (antlers) and Doudou (stuffed toy).

Nevertheless, her work's main theme still is the collage made from artistic painting, cloth application and mechanically applied threads. These arrangements include a nearly tangible texture with sensual and tactile qualities, skilfully composed with historical cloth patterns and colourful strings. Embedded into these collages are Vichy cloths and details from French cloth patterns of Toile de Jouy. Those rococo-style Dessins, invented near Paris by German Christoph Philipp Oberkampf (1738-18159), were originally printed on calico with engraved copperplates and, among others, used for curtains, pillowcases and tablecloths. Sonia Aniceto dissects them into their individual motifs, cuts out figures, structures and floral ornaments and applies them on her painting surfaces.


First, with precise carefulness, spacious landscapes with abstract locations are painted on the canvas, just to be decontextualized in order to tell a story within the next step. The red outline figures of Toile de Jouy are added, which remind the spectator of mythical figures, but in fact were not used anymore to fulfil this function in the end of the 18th century already.

An example for that technique is the painting L'invite: A baroquely dressed gentleman with wig, breeches and justaucorps has been adorned with wings, the whole red outline figure is positioned on a grey-white cloth with water stains. The illusionist floor consists of woolly white thread, applied on the canvas with a sewing machine. The angel's shoes are glued –angels never hat shoes on there feets - to the carpet and prevent him from taking off. The left part of the painting looks like a glance out of window into a wide landscape with a mountain range at the horizon; a tornado cut a gorge into it and gave it a completely new appearance. This threat has nearly been banned since the cloud vortex has already reached the horizon - maybe because of the protective angel?


The spectator frequently encounters nearly photorealistic paintings of children's faces in small square picture formats, girls with long, fair hair, in playful moments. Three paintings of the series Constellations I show a girl with a paper mask created by herself. Her facial expression is introverted, she does not seem to feel observed and still lives in a clean-cut world, which gives only the spectator an impression of carefreeness.

Threads play an important role in Sonia Aniceto's works, because they cut deep into neatly painted paintings. The artist uses her sewing machine and a red string with brute force to spontaneously cross over her compositions, bite into landscapes and does not even shy away from the children's bodies. She adorns them with 'sewn' clothes, races over their heads, the threads always intensify somewhere, change from rush to a bundle of fluff or a sheer muddle, impossible to unravel.

Some works show allusions to cartoon strips, like the title 'Mickey'. The hands in gloves, which unravel the knot, belong to the cartoon character Mickey Mouse, invented by Walt Disney in 1928.

Another painting uses these gloved hands for plastic surgery: A young woman lies on an operating table, her head turned to one side, her eyes closed and red strings visible above her.

Trophe - Antler-like objects, made from various crocheted clothed and stuffed rags, slide to the ground from an bundle of antlers, some of them wrapped in strings like bandaged fingers. At the second glance, the pile of antlers changes to a tangle of hands. Re-growing each year, the antlers of stags consist of true bone material, unlike the horns of bulls and goats. Their main function is to compete against other males both behaviourally and physiologically, and to impress females in the mating season, concerning reindeer antlers also fulfil the function of a snow shovel. Depending on the level of testosterone, male deer develop antlers, with an advancing age the number of points increases.  Similar to the cloth compositions by Sonia Aniceto, the individual antlers do not resemble each other completely. The high number of around sixteen antlers underlines the number of their bearers, which evokes the image of them as the prey of a hunting trip. Stags with impressive antlers have always been a widespread motif of both paintings and textile art, like gobelins and tapestries with hunting scenes. Adorning the walls of castles with hunting trophies has been a privilege of the nobility for a long time and should demonstrate power and superiority. Apart from some of the blood-red points, the colourful cloth combinations transform the antlers in Sonia Anicetos composition into stuffed toy-like objects and decorations.  


Cycle 'Monster'

Like behind a chequered curtain (Vichy Dessin), a scene is visible, including seven persons looking in the same direction. Waist down, they are covered with brown wool strings, flowing down out of the painting and into more and more knots and bundles of fluff. Like in other paintings of this exhibition, an alienated black-and-white photo of women from the 1920/30s was the basic motif of this collage.

Brides

Two brides or one bride in front of a mirror? Upside down - or the undressing after the wedding celebration in a room with a Vichy-wallpaper design. The high heels are applied with red strings. The wedding dress becomes a heavy bundle of fluff of cotton strings, following gravitation and dragging the bride downwards. It reminds the spectator of the Medea myth: Kreusa, Medeas rival, received a fatal wedding dress from her at her wedding with Jason, which she could not take off and in which she died miserably. It is the old battle of the sexes, which already has been picked out as a theme in Greek tragedies 3000 years ago.


Dedalé

And here, at the very beginning, is the myth which unites the individual threads: The thread of Ariadne, providing salvation in seemingly hopeless situations. There is an allusion in the large size-painting of a woman, hovering upwards, carried by a man in a black suit. The title of the painting, 'Dedalé', hints a connection to the Ariadne myth: Daedalus is known as the mythic architect of the Cretan labyrinth, which contained the Minotaur, a ferocious hybrid of man and bull. With the help of Ariadne, who explained him the structure of the maze and gave him a thread in order to find his way out again, the young hero Theseus was able to defeat the beast.


Text: Silke Köhn (translation: Philipp Moritz Köhn)



FIL(L)IN                          


Le travail de Sonia est baroque. En effet, comment pourrait-il en être autrement, quand on sait que le terme « baroque » est directement emprunté au portugais « BAROCCO ». Il s’agit, en traduction littérale, de perles de formes irrégulières. Et c’est vrai, quand on regarde le travail de Sonia, une sorte d’irrégularité saute aux yeux de l’observateur. Il s’agit du mélange de genres : l’huile, dans le métier le plus pur, et le textile, fruit d’une tradition familiale et d’un goût développé en partie à l’époque où Sonia travaillait à l’Opéra royal de la Monnaie. Hybridation des genres, multiplicité de lectures. Le baroque se niche dans le foisonnement visuel, le trop plein d’interprétations, les mises en abîme provoquées par les jeux de matières, et les langages qu’ils élaborent entre eux.

Sonia est un être de langage, de paroles, avec un besoin de dire qui fourmille dans son travail.

Toutefois, ses tableaux et ce qu’ils nous racontent se révèlent un miroir au tain dépoli : rarement, en effet, ses personnages, pourtant très réalistes, nous regardent en face, s’ils sont pourvus d’un regard. L’invitation à entrer dans leur univers narratif est freinée par ce qui ressemble à une limite, un impossible franchissement. Nous voilà renvoyés à notre solitude humaine, trop humaine.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 

Techniques picturales et techniques textiles se côtoient avec assurance ; ces dernières plaçant  inconsciemment l’œuvre de Sonia dans la lignée de Louise Bourgeois, dont le travail renvoie au métier de restaurateurs de tapisseries anciennes de ses parents.

Restaurer… Réparer… Suturer… Raccommoder… Pour mieux cicatriser et guérir, qui sait ?

Sous cet angle, notre œil d’observateur peut aborder et apprivoiser les juxtapositions de media, de techniques, les applications de tissus et les trajets des fils.  

Piqûres nettes ou enchevêtrements, embrouillamini qui forcent la machine à coudre aux limites de ses possibilités mécaniques. Un bafouillage visuel pour un débordement textuel.

Enfin le métier, l’artisanat… Le patient apprentissage (toujours sur le métier remettre son ouvrage) où l’huile se fait de plus en plus voluptueuse, profonde et charnelle. Depuis toujours les tons sourds, à présent enrichis par les glacis.

A l’encontre du Baroque, les perspectives orthogonales et  atmosphériques assoient l’espace des tableaux, ouvrant autant de scènes où se jouent des histoires où un humour surréaliste se fraie un chemin, petit-à-petit.

Un dialogue nouveau s’établit : on peut rire et jouer avec les codes, les genres, les styles, mais toujours dans l’abondance de signifiants, et toujours, dans le désir de communiquer ce qui semble incommunicable.


Danielle Campé, 9 septembre 2014   


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Like a balancing act of an encounter, the artist construes the threads like spider webs  that seem to jump straight into the eye of the viewer. Her works create a tactille illusion, which causes the viewer to have a sensual experience of wanting to reach out and touch the works.

(…) Fabric like skin, a dream, a dark night. It’s someting to talk about.


Cornelia Regelsberger 2012. Texte from the exhibition « Unusual discoveries ».


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C’est un travail composite, original, féminin, croisement entre peinture et art textile, que Sónia Aniceto nous propose. L’option est quasi exclusivement figurative, tout en bousculant hardiment les repères spatiaux et temporels. Des  paysages lointains,  des piscines vides, lieux abstraits parfois improbables, parfois fidèlement esquissés, nous racontent des histoires décontextualisées. Face à ces personnages entre l’humain et la marionnette, le fantôme ou bien le mannequin, le spectateur cherche sa place entre présent et passé, ente fiction et monde réel, entre innocence et perversité.  Hors de toute mouvance ou courant dominant, l’artiste crée des espaces où les matières jouent les unes avec les autres, cartes émotionnelles et affectives de son parcours en Belgique et d’un attachement à un Portugal natal lointain. Telle une mélodie, un air de fado, elle rassemble souvenirs d’enfance, rêves et fantasmes,  nous livrant avec pudeur ses déracinements,  tissés dans une œuvre riche de techniques et d’interprétations. Les recoins de sa mémoire passent par ses mains : broderie, fils, dentelles, toiles de Jouy, morceaux de nappes transmettent des messages graduels, en couches narratives qu’on essaie de décoder.

Comme la tapisserie, qui n’est ni canevas, ni broderie, chaque œuvre est une pièce originale  traduite en papier, fil, étoffes et couleurs entremêlés. Les techniques traditionnelles qu’elle mixe témoignent de ses racines et de son vécu de petite fille.  Quand on les regarde, on y voit des instants de vie, des heures de bonheur et d’insouciance. Des moments de plaisir, de tristesse aussi, le mal du pays. 

Fascinée par le fonctionnement de la mémoire et ses distorsions, elle s’interroge sur la fidélité des souvenirs, dont elle superpose les traces.  Dès notre plus jeune âge, le souvenir, cette puissante et énigmatique faculté mentale,  construit notre identité et le fil de notre existence. Filtre personnel, aux ordres du cœur et de l’imagination, il  nous permet de réécrire notre histoire, de façonner notre présent. Qui sommes-nous, sinon ce dont nous nous souvenons ? Notre véritable biographie n’est-elle pas celle que nous gardons en mémoire, teintée des émotions et des sentiments qui ont accompagné notre vécu ?

Nicolas de Staël disait que la peinture est un mur duquel tous les oiseaux du monde peuvent s’échapper. L’œuvre de Sónia Aniceto est une respiration, elle nous emporte par une belle écriture singulière qui sent le vent, l’air du large, le paradis lointain de l’enfance. Le temps file trop vite,  mais Sonia réussit  bel et bien à le retenir. 

Elisabeth Martin 2012. Text of the expositioncatalogue « Le cœur cousu »

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Sónia Aniceto verweeft draden, stoffen, texturen, tekeningen en penseelstreken zoals een mozaïek waar op zachte melancholische wijze, als ware het vertrouwelijke mededelingen, fragmenten uit verbeelding en geheugen geënt worden.


Elisabeth Martin 2012. Exerpt of the text of the expositioncatalogue « Le cœur cousu ».  Dutch version.

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Rainer Maria Rilke confessou-se maravilhado por Giorgione ter pintado sobre ouro velho e baço, e Ticiano sobre cetim negro. Nessa época, segundo o escritor, pintavam-se imagens luminosas sobre um fundo de seda branca (Histórias do Bom Deus – Uma cena passada no gueto de Veneza).

É precisamente esse universo, há muito esquecido, da pintura, como tecido e com tecido, que Sónia Aniceto tem vindo a descobrir, a trabalhar e a tecer. A linha têxtil afigura-se em tudo idêntica à linha que, colorida, produz as manchas e os sortilégios da cor da pintura e dos próprios tecidos. As linhas de fios, no desenho dos quadros, têm uma existência material, possuem massa e espessura, recordando um baixo-relevo ou uma espécie de “textura moral fina”, como sonhou Roland Barthes, também ele desejoso de ser «pintado» por Ticiano e «desenhado» por Clouet (A Câmara Clara).

(….)

Em suma, diante destes quadros pintados e tecidos não é a morte que prevalece, mas antes um dos mais estranhos e misteriosos sentimentos criados pelo homem: a melancolia, talvez a mais bela musa do Romantismo.

Eduardo Duarte (Professor in History of Arts of the faculty “Belas Artes” of the university of Lisbon).2008. Exerpt of the text of the expositioncatalogue « Histórias de família»


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